Vorwort


12,3 Prozent der Männer und 11,3 Prozent der Frauen in Deutschland leiden im Laufe ihres Lebens an Harnsteinen. Vor 20 Jahren waren bei beiden Geschlechtern noch ein Viertel weniger von dieser Erkrankung betroffen. Das Harnsteinleiden gehört somit zu den typischen Zivilisationskrankheiten. Die Hälfte der Menschen, die einmal in ihrem Leben einen Stein hatten, erleben noch einen zweiten oder sogar noch mehrere Steine (Rezidivrate des Harnsteinleidens: 50%).  Abhängig von Größe und Lage (Niere oder Harnleiter) verursachen die Steine keine, leichte oder extrem starke Beschwerden (Koliken). Im günstigsten Fall verlassen die Steine den Körper von selbst auf natürlichem Weg (Spontanabgang). Findet kein Spontanabgang statt, bietet die moderne Medizin verschiedene Techniken zur Harnsteinentfernung an:

  1. Chemolitholyse (Auflösen von Harnsteinen): diese Methode ist jedoch nur bei bestimmten Steinzusammensetzungen (z.B. Harnsäurestein) geeignet. Außerdem muss es sich um kleine Steine handeln, die im Behandlungsfall keine Koliken und keine Verstopfung der Harnwege (Harnstau) verursachen. Diese Methode ist somit nur selten geeignet.
  2. Perkutane Litholapaxie (PNL = Entfernung von Steinen durch die Haut = Schlüssellochchirurgie): diese Methode wird nur bei großen und/oder eingeklemmten Nieren- und Harnleitersteinen durchgeführt. Diese Behandlung ist invasiv und muss stationär im Krankenhaus erfolgen.
  3. Ureterorenoskopie (URS = Entfernung eines Harnleitersteines mit dem Endoskop): diese Methode ist nur für Steine im Harnleiter geeignet. Ein Endoskop wird auf natürlichem Weg (ohne Schnitt) durch die Harnröhre und die Harnblase in den Harnleiter eingeführt. Mit einer Fasszange wird der Stein gegriffen und herausgezogen. Dieser Eingriff kann nur selten ambulant durchgeführt werden.
  4. ESWL (siehe oben): diese Methode ist bei allen Harnleitersteinen und Nierensteinen bis zu einer bestimmten Größe geeignet. Diese Behandlung ist nicht invasiv und wird ambulant durchgeführt.